novoslov

split against its will

Ein Washingtoner Versuchsballon

„Deutsche Neutralität gegen sowjetische Zugeständnisse"

r. Eine der politisch bedeutsamsten Zeitungen der amerikanischen Bundeshauptstadt, die bekannte „Washington Post", die zwar als unabhängig gilt, aber schon oft vorfühlende Artikel zu neuen politischen Entwicklungen brachte, veröffentlichte jetzt längere Ausführungen zur Deutschlandfrage. Die „Washington Post" vertritt dabei den Standpunkt Moskau habe sich mit der Sowjetzone Deutschlands eine Last aufgeladen, die es möglicherweise ohne Gefährdung der eigenen Sicherheit aufgeben würde. Die 22 sowjetischen Divisionen in der Zone behinderten nach Ansicht des amerikanischen Blattes die „freiheitliche Entwicklung Polens" (Odwilż gomułkowska? —październik 1956). Wenn der Westen in Deutschland einiges aufgeben würde, so könnten daraus Konzessionen der anderen Seite erwartet werden. „Washington Post" meint dann, der Westen könne möglicherweise nach einer Beseitigung des Zonen-Renimes eine „lose Konföderation beider deutschen Gebiete mit freien Wahlen, aber einer Zentralregierung" erstreben. Die Frage der deutschen Ostgebiete sollte dann „vorläufig durch deren Überführung unter internationaler Kontrolle" gelöst werden. Für den Nordatlantikpakt wäre eine Aufrichtung der deutschen Neutralität im Austausch gegen sowjetische Zugeständnisse nach Ansicht der Washingtoner Artikelschreiber keine große Gefahr und nur ein Verlust auf dem Papier. Die deutsche Wiederaufrüstung habe nicht die amerikanischen Erwartungen erfüllt. Die wirkliche Abschreckung gegen einen sowjetischen Marsch nach Westeuropawerde durch die Luftwaffe und die taktischen Atomwaffen des atlantischen Bündnisses viel mehr erfüllt, als durch die deutsche Mannschaftsstärke. Die deutsche Wiederbewaffnung könne bisher als kaum mehr als ein Svmbolbetrachtet werden. Ein militärisch neutralisiertes Deutschland würde diesen Zustand nicht auf seine wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen mit dem Westen auszudehnen brauchen. Obgleich dieser Vorschlag für die Bonner Regierung zur Zeit kaum annehmbar sei, könne die Neuordnung der politischen Kräfte in Westeuropa derartige Gedanken durchaus zwingend machen. Die „Washington Post" meint schließlich, es erscheine ihr möglich, daß die Russen bereit seien, eine Annahme des Luftinspektionssystems mit einem neutralen Status für Deutschland zu verkoppeln. Et. erscheine ihr wichtig, daß die Amerikaner neue „Anregungen" für Beratungen vorbringen. Man tut gut daran, diese Ausführungen eines Blattes, über dessen enge Beziehungen zu führenden Kreisen der amerikanischen Politik kaum Zweifel bestehen können, sehr aufmerksam zur Kenntnis zu nehmen. Sie zeigen deutlich genug, daß es auch in den Vereinigten Staaten offenkundig Politiker gibt, die geneigt sind, bei neuen Gesprächen mit Moskau Konzessionen auf unsere Kosten anzubieten. Es ist aus dem uns vorliegenden Text nicht klar ersichtlich, was die maßgebliche Washingtoner Zeitung darunter versteht, wenn sie erklärt, die Frage der deutschen Ostgebiete solle vorläufig durch Überführung unter internationaler Kontrolle gelöst werden. Es ist eine sehr wichtige Aufgabe der Bonner verantwortlichen Stellen, diese Äußerungen eines einflußreihen Washingtoner Blattes zum Anlaß nehmen, im Washingtoner Außenamt selbst Klarheit zu verlangen.

Das Ostpreußenblatt

Organ der Landsmannschaft Ostpreußen

Jahrgang 7 / Folge 48

Hamburg, 1. Dezember 1956 / Verlagspostamt Leer (Ostfriesland) 

New York Tribune

SUNDAY, NOVEMBER 26, 1916

Black shows portion of “Middle European” countries now in the possession of Germany and her allies. Shaded portions—The parts needed to complete the plan.

MIDDLE EUROPE ON THE MAP
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